Ina Reißl von der Öffentlichkeitsarbeit der NBH dankt den Haarern, die den Senioren kleine Herzenswünsche erfüllen
Seelische Bedürftigkeit lindern
Sie sind bescheiden, die Weihnachtswünsche der Senioren, weiß Ina Reißl, die zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Nachbarschaftshilfe in Haar (NBH) ist. „Mich berührt das sehr“, offenbart die Mitarbeiterin. „Manchmal müssen wir sogar ein bisschen nachhelfen mit einer Liste voll Ideen, was man sich so in einem Preisrahmen von 20 Euro wünschen könnte“, erklärt sie. Heiß begehrt seien Gutscheine für beispielsweise Drogerien: „Weil sie sich gerne selbst etwas aussuchen möchten. Der Renner aber sind selbstgebackene Plätzchen. Viele haben früher selbst am Ofen gestanden und können das jetzt nicht mehr. Genauso wenig haben sie das Geld, um sie sich in einer Bäckerei oder Konditorei leisten zu können.“
Brücke wider die Einsamkeit
Seit drei Jahren steht im November im Eingangsbereich der NBH ein geschmücktes Weihnachtswunschbäumchen, an dem 2021 mehr als hundert beschriftete Herzen baumeln. Das Betreuungspersonal habe einen „sehr guten Einblick“ in die jeweilige Lebenssituation der Senioren und wähle im Vorfeld „ein bisschen aus“, wer ein Herz ausfüllen darf, so Reißl: „Uns ist es sehr wichtig, dass es die sind, die eher bedürftig sind. Bedürftigkeit bezieht sich nicht nur auf den finanziellen Rahmen, sondern vor allem auf die emotionale Ebene.“ Viele ältere Menschen leben heute sehr einsam, ohne Verwandtschaft. Wenn sie Kinder haben, wohnen sie oft weit weg, frühere Weggefährten und Freunde sind verstorben. Dazu kommen körperliche Einschränkungen und seit rund zwei Jahren eine Pandemie, die sie noch mehr in die Isolation zwingt. „Unsere Damen der NBH sind meist der einzige Kontakt zur Außenwelt“, veranschaulicht Reißl.
Fleißige Weihnachtswichtel
Deshalb freut sie sich über das Engagement der Bürger riesig und strahlt: „Die Haarer sind toll. Die Aktion ist großartig und kommt richtig gut an, die Hilfsbereitschaft ist enorm. Innerhalb kürzester Zeit war der Wunschbaum leer gepflückt und es kommen bereits hübsch verpackte Geschenke.“ Tatsächlich muss sie sogar verspätete Haarer auf das nächste Jahr vertrösten: „Es sind alle Herzen weg!“ Besonders angetan ist Reißl auch von der hohen Motivation einer Firma, die von Beginn an mitmacht: „attocube systems nehmen uns jedes Jahr 25 Herzen ab. Das ist natürlich super. Sie fragen immer vorab, wann wir den Baum machen.“ Unter Normalbedingungen erhalten die Senioren die kleinen Gaben auf einer Weihnachtsfeier. Da die derzeit nicht möglich ist, übernimmt das Personal der Nachbarschaftshilfe den speziellen Botengang: „Unsere Mitarbeiter spielen Christkind und übergeben die Geschenke“, meint Ina Reißl schmunzelnd. „Hier trudeln dann ganz viele Dankeskärtchen ein, was unheimlich süß ist und was wir wirklich wunderbar finden.“
Schutz hat erste Priorität
Obwohl nur wenig, wie die Wunschbaum-Aktion, nach außen dringt, ist die Nachbarschaftshilfe weiterhin sehr aktiv: „Wir haben einen Versorgungsauftrag, das hat ja nie gestoppt, trotz der ständig geforderten Anpassungen“, verdeutlicht Reißl. Hauswirtschaftliche Hilfeleistungen, Einkaufs- und Hausmeisterdienste, die Tagespflege und Begleitdienste zum Arzt finden „normal“ statt. Veranstaltungen allerdings, die ohnehin nicht den Schwerpunkt der NBH bilden, ruhen bis auf weiteres: „Für unsere mobilen Senioren ist die Lage doof, die leiden schon sehr“, fasst Reißl zusammen. „Dinge, die wir veranstalten, wie unser beliebtes Seniorenfrühstück sind nicht möglich. Da haben wir ein Stammpublikum von 20 bis 30 Leuten.“ Beinahe täglich klinge das das Telefon mit Anfragen, wann es „endlich wieder losgehen“ könne, berichtet Ina Reißl. „Tatsächlich wäre es erlaubt, etwas zu machen, aber wir können die Verantwortung nicht übernehmen. Es geht um gebrechliche ältere Leute, genau die vulnerable Gruppe, die wir schützen wollen. Umso schöner, wenn so etwas wie die Wunschbaum-Aktion gelingt.“
Für Sie berichtete Manuela Praxl.