Theatergruppe des EMG spielt virtuell Dornröschen

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Das Leben ist kein Ponyhof, schon gar nicht für Dornröschen in Coronazeiten. „Wir wollten ursprünglich Dornröschen im vergangenen Jahr normal auf die Bühne bringen, aber mussten es jetzt virtuell machen“, sagt Thomas Ritter, Lehrer für Theater und Deutsch am Ernst-Mach-Gymnasium. Die Theatertruppe aus Schülern der Oberstufe betritt mit dem multimedialen Stück dennoch kein Neuland: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer mal wieder mit Einspielern oder Projektionen gearbeitet. Dieses Wissen konnten wir jetzt nutzen und die technischen Voraussetzungen waren nicht ganz schlecht“, resümiert der 41-Jährige.

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Herausgekommen ist ein experimentelles Spiel, eine humorvolle Beschäftigung mit dem Märchen, das die Handlung nicht von A nach Z nacherzählt. „Wir nehmen das als Text- oder Ideensteinbruch und sehen, was dabei rauskommt. Dieses Mal war es, zugegebenermaßen, sehr lose in der Folge“, meint Ritter. Die jungen Schauspieler agieren live, alleine zuhause vor den Bildschirmen, die der Zuschauer als „Kacheln“ auf dem Bildschirm sieht. Je nach Szene können es eine, drei, sieben oder 15 sein. In einer kurzen Phase blendet die Technik sogar einige Zuschauer ein. „Die Hände so zu koordinieren, dass es wirklich so aussieht, war eine Herausforderung“, verrät der 16-jährige Moritz Kovacs-Hintz. „Außerdem musste sich jede/r Schauspieler/in selbstständig um den Aufbau der „Bühne“ in seinem Zimmer kümmern. Zum Beispiel haben wir uns alle schwarze Moltons an eine Wand oder einen Schrank gehängt, um einen gleichmäßig schwarzen Hintergrund zu erhalten“, erzählt Ann-Julika Melms (16). „Es ist insofern spannend gewesen, da es eine ganz andere Herangehensweise war. Wir hatten zwar ein paar Interaktionen miteinander, aber bei weitem nicht so viele, wie wir es gerne gehabt hätten“, fügt Moritz Kovacs-Hintz zu.

Aus dem Bauch heraus

„Ich habe die Schüler gebeten, alles assoziativ zu machen. Gut und Böse und das Leben ist nicht immer nur leicht und wir müssen da jetzt irgendwie durch. Es gibt schlimme Dinge, aber wir feiern auch groß. Das alles spielt eine Rolle bei Dornröschen“, erklärt der Theaterpädagoge, der auch an der Ludwig-Maximilians-Universität in München arbeitet. „Dornröschen ist ja überbehütetes Kind. Eine Gruppe hat mit ihren Eltern diskutiert, inwiefern sie vielleicht in Haar überbehütet sind. Es sind lauter thematische Einzelaspekte.“  Da die Schüler Theater als Schulfach belegen, müssen sie zwischenzeitlich eine Klausur schreiben, in der verschiedene Gruppen unterschiedliche Überbegriffe aus dem Märchen in eine Szene umsetzen sollen, gibt Moritz Kovacs-Hintz Einblicke in die Vorgehensweise:  „Aus den daraus entstandenen Szenen haben wir Teile rausgenommen und in unser Aufführungsskript geschrieben.“ Ann-Julika Melms vertieft: „Wir haben viel mit eigenen Assoziationen zu bestimmten Sätzen, Gefühlen, Thematiken oder Charakteren aus dem Märchen gearbeitet und diese ins Stück mit einfließen lassen. Dafür war es auch wichtig, einen persönlicheren Zugang zu dem Märchen zu finden.“

»Wir haben viel mit eigenen ­Asso­ziationen zu bestimmten Sätzen, Gefühlen, Thematiken oder Charakteren aus dem Märchen ­gearbeitet und diese ins Stück mit einfließen lassen.«

Ann-Julika Melms, Schülerin

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Bilder entstehen

Die Nebensätze, einzelne Begriffe oder Teile der Handlung mit den Überlegungen des Spielleiters, formen sich schlussendlich zu ihrem Spiel: „Es war also keine klassische Regiearbeit, sondern Gedankenfetzen und  Puzzleteile in der Auseinandersetzung mit Dornröschen, die sich zu Bildern gefügt haben“, erläutert Ritter. „Wir haben das weitergedacht, so dass an einigen Stellen für den Zuschauer der Bezug kaum mehr erkennbar war. Das finden wir aber auch nicht schlimm, denn das war das, was bei uns damit entstanden ist.“ Der Lehrer betrachtet sich nicht als Regisseur des Stückes, vielmehr spricht er von sich als Spielleiter: „Ein Regisseur kann seinen Schauspielern sagen, was immer er will, sie werden dafür bezahlt, aber in der Schule ist das anders, es ist ein pädagogisches Verhältnis.“

Großer Erfolg

Mehrere hunderte Haushalte schalten sich während der drei Vorführungen zu, was die Schauspieltruppe überrascht, eine Zusatzvorführung findet kurzerhand statt. Bei näherer Betrachtung ist das große Interesse gar nicht so ungewöhnlich: „Es gab ja keine räumlichen Beschränkungen. In den letzten Jahren habe ich viele Kontakte überall hin geknüpft, aber aus Hamburg beispielsweise kommt keiner zu einer Schultheateraufführung“, so Ritter. Im Netz allerdings schalten sich sogar Zuschauer aus Argentinien und Finnland zu, berichtet Thomas Ritter stolz. „Allerdings sind wir alle wieder heiß auf die Livesituation, vor Publikum auftreten zu können in einem realen Raum. Da haben wir noch einiges vor. Jetzt überlegen wir, ob es nicht interessant wäre, dieses Projekt in einer Live-Version zu präsentieren, das spukt in meinem Kopf.“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.
Foto: pixabay

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